Geografie-Exkursion

 

Ökologische Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit am Beispiel

LAUSITZ: ENERGIESTRATEGIEN DER ZUKUNFT

In den frühen Morgenstunden haben sich die Teilnehmer des Leistungskurses Geografie am Schiller-Gymnasium Potsdam von Berlin/Potsdam auf den Weg nach Cottbus gemacht, um eine Antwort auf die folgenden Fragestellungen zu erhalten:



Unser Kurs wurde begleitet von einem Team des Fernsehsenders France 24.

Vom Hauptbahnhof Cottbus aus ging die Fahrt in modernen, allradgetriebenen und bequemen Bussen zu unserem ersten Exkursionspunkt:   Allradbus


Versuchshalle des Lehrstuhls Kraftwerkstechnik / BTU Cottbus

Versuchshalle Der Mitarbeiter des Instituts Herr Stefan Lechner hat den Teilnehmern in der Versuchshalle des Lehrstuhls Kraftwerkstechnik einen sehr anschaulichen Einblick in den Stand der Forschung im Bereich der Braunkohleverstromung gegeben.
Der Schwerpunkt dieser Forschungsabteilung liegt auf den Möglichkeiten der Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid dem sogenannten Carbon Dioxide Capture and Storage. CO2, das bei der Verbrennung von z.B. Kohle in Kraftwerken entsteht, wird mit dem Ziel der Injektion und behältnislosen Lagerung in unterirdischen Gesteinsschichten auf unbegrenzte Zeit deponiert. Kohlenstoffdioxid ist ein Treibhausgas, deren Emissionen als Hauptursache für die globale Erwärmung gelten.
Die Frage nach der Sicherheit der Lagerung ist kein Bestandteil der Arbeit an der BTU, warf aber bei den Teilnehmern die meisten Zweifel an der Effektivität dieser Methode auf.


Weiter ging es zum Tagebauaussichtspunkt Cottbus Nord. Hier wurden den Teilnehmern eindrucksvoll die Umsetzung und Auswirkungen des Braunkohleabbaus vor Augen geführt.

Tagebau

Herr Sebastian Zoepp, der Geschäftsführer des Unternehmens Spreescouts, ist ein auf regionale Themen der Nachhaltigkeit spezialisierter Reiseveranstalter, der diese Tour konzipiert und verschiedene Themen für uns referiert hat. Bei diesem Lokaltermin erhielten wir anschauliche Informationen über die Umsetzung des Braunkohleabbaus und die Energiestrategien der Zukunft.

Spreescouts

 

Vattenfall-Aussichtspunkt

Die

Erfolgsbilanz des Energieversorgungsunternehmens Vattenfall

wurde uns eindrucksvoll vor Augen geführt.
Brandenburg hat 2,5 Mio. Einwohner, davon arbeiten 20.000 in der Energiewirtschaft.
Von den 56,7 Mio. Tonnen energiebedingten Kohlendioxid-Emissionen (2009) in Brandenburg (1) wurden 34 Mio. Tonnen allein durch die Braunkohlekraftwerke Jänschwalde und Schwarze Pumpe erzeugt. Mehr als 58% des erzeugten Stroms werden exportiert - in die benachbarten Bundesländer. Dabei deckt Brandenburg 90% seines Strombedarfs durch erneuerbare Energien: Windenergie, Sonnenenergie und Biogas. Zur Sicherung der Braunkohleversorgung nach 2020 sollen drei neue Tagebaue aufgeschlossen werden. Ein großes Problem stellt nicht nur die Renaturierung dieser Gebiete dar.
   

Unsere Fahrt ging weiter durch/in diese Ortschaften: Atterwasch, Kerkwitz und Grabko.
Insgesamt 900 Einwohner sind von dieser Planung betroffen

Plakat

 Pfarrer Berndt

Vor Ort wurden wir vom Pfarrer der Gemeinde Atterwasch Matthias Berndt über die Situation in den Dörfern informiert. Eine erstmalige Erwähnung Atterwaschs erfolgte im 12. Jahrhundert, die Kirche ist eines der ältesten Gebäude. Die Menschen dort sind überwiegend im Altersruhestand und können sich nur schwer einen Neuanfang vorstellen, trotz finanzieller Entschädigung - Resignation macht sich breit.

Die Hoffnung, auf die man sich stützt, ist das Vorkommen einer unter dem Schutz der EU stehenden Moorkiefer, die in diesem Gebiet beheimatet ist und von der es nur noch 300 Exemplare gibt

Nach einem appetitlichen Mittagsimbiss, bestehend aus Biozutaten und klimafreundlich erzeugt, da direkt aus der Region, ging die Fahrt weiter zum Solarkraftwerk Lieberoser Heide.
Der ehemalige Truppenübungsplatz Lieberoser Heide liegt inmitten einer eiszeitlichen Moränenlandschaft. Die Böden sind nährstoffarm und bestehen zum Teil aus Sanderflächen, auf denen sich eine Heide- und Kiefernvegetation ausgebreitet hat. Heidemoore und Seen prägen die Landschaft. Durch die jahrzehntelange militärische Nutzung wurden weite Flächen nicht nur entwaldet. Die Böden sind durch den Einsatz von chemischen Kampfmitteln, aber auch durch nicht detonierte Munition verseucht.
Das Bild, das sich bot, war beeindruckend: Mit rund 700.000 montierten Solarmodulen ist dieser Park das größte Sonnenkraftwerk in Deutschland.

Solarpark

Probleme bei der Verwirklichung des Solarparks stellte aber nicht nur die Entseuchung des Bodens dar. Die Lieberoser Heide ist ein Naturschutzgebiet.
"Neben der komplexen Biotopausstattung liegt ihr Wert vor allem auch in der Großflächigkeit und Unzerschnittenheit des Gebietes. Hervorzuheben sind die für das NSG 'Lieberoser Endmoräne' nachgewiesenen Vorkommen der vom Aussterben bedrohten Arten, wie Sumpf-Glanzkraut (Liparis loeselii) oder Sumpf-Weichwurz (Malaxis paludosa). Darüber hinaus wurden insgesamt 120 Vogelarten erfaßt, von denen 39 in der Roten Liste Brandenburgs zu finden sind."

Der Forstrat
"Neben der komplexen Biotopausstattung liegt ihr Wert vor allem auch in der Großflächigkeit und Unzerschnittenheit des Gebietes. Hervorzuheben sind die für das NSG "Lieberoser Endmoräne" nachgewiesenen Vorkommen der vom Aussterben bedrohten Arten, wie Sumpf-Glanzkraut (Liparis loeselii) oder Sumpf-Weichwurz (Malaxis paludosa). Darüber hinaus wurden insgesamt 120 Vogelarten erfaßt, von denen 39 in der Roten Liste Brandenburgs zu finden sind." (2)
Forstrat Wolfgang Roick von der Forstverwaltung Amtsbereich Peitz hat uns über die Situation vor Ort informiert. Er hat dieses Projekt Solarpark nicht nur unterstützt, es war seine Idee.
 
 Kartenblick
     
Am Windrad
Biogasanlage

Ergänzt wurde diese Vorstellung verschiedener Energieerzeuger durch die Fahrt zu einer Biogasanlage.
Der Schweinemastbetrieb liefert die Gülle, die vermengt mit einer Energiepflanze als Substrat (hier: Maissilage) vergärt wird. Hauptprodukte des anaeroben Abbaus sind das energiereiche Methan (CH4) und Kohlendioxid (CO2). Da beide gasförmig sind, trennen sie sich vom Gärsubstrat und bilden die Hauptkomponenten des Biogases. Dieses Biogas wird mit Hilfe eines Blockheizkraftwerks in Strom umgewandelt. Als Nebenprodukt wird ein als Gärrest bezeichneter Dünger produziert. Dieser kann wiederum auf die agrarisch genutzten Felder aufgebracht werden.

Fazit:

Will man bei den hier vorgestellten Möglichkeiten zur Erzeugung von Energie einen deutlichen Schwerpunkt oder sogar den Ausstieg aus der Braunkohleförderung favorisieren, müssen unter anderem Antworten auf folgende Fragestellungen gegeben werden:
• Inwiefern stellt die jeweilige Erzeugung von Strom eine hohe Belastung der Umwelt durch Emissionen dar?
• Wie groß ist der Flächenbedarf, der für die verschiedenen Energiegewinnungsmaßnahmen zur Verfügung gestellt werden muss und welche Folgen haben die Eingriffe des Menschen in den Naturhaushalt?
• Müssen die, für die Renaturierung und den Emissionsschutz benötigten finanziellen Mittel, nicht auch mitberücksichtigt werden in einem Kosten-Nutzen-Vergleich und wie sieht diese Rechnung dann aus?


Der Veranstalter dieser Exkursion ist die Umweltgruppe Cottbus, die mit Hilfe der Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung diese Exkursion finanziell unterstützt hat. Die Bilder wurden von den Teilnehmern der Exkursion gemacht und durch die freundliche Unterstützung von Frau Eitner (Spreescout) ergänzt.
Verantwortlich für den Text und die Zusammenstellung: Birgit Nagy

 

(1) MUGV 2011 Entwicklung CO2-Emissionen. Energiebedingte CO2-Emissionen nach Brennstoffen, online
(2) http://www.bfn.de/0311_landschaft.html?landschaftid=82602